Wer dieses Jahr den MWC in Barcelona besuchte, durfte sich auf einige Smartphone-Highlights freuen. Da galt es, schnell zu sein – was sich Huawei zu Herzen nahm. Der chinesische Durchstarter stellte das neue Flaggschiff schon einen Tag vor dem Messebeginn vor. Wir hatten mittlerweile die Chance, einige Tage mit dem Gerät zu verbringen und verraten nachfolgend unsere Eindrücke.

Huawei verzichtet nach wie vor auf ein wasserdichtes Gehäuse.

Beginnen wir mit dem offensichtlichen: Im Vergleich zum Vorgänger hat sich doch einiges geändert, Huawei setzt auf eine optische Frischzellenkur. Der Fingerprintsensor wandert nach vorne, was durchaus überrascht – immerhin war der rückseitig verbaute Entsperrsensor lange Zeit eine Art Alleinstellungsmerkmal des Herstellers. So oder so löst er nach wie vor extrem rasch und sehr zuverlässig aus und bietet zudem noch einige Extrafunktionen. Eine IP-Zertifizierung gibt es hingegen nach wie vor nicht, das ist gleich geblieben und auch ein wenig schade. Da sind mittlerweile fast alle anderen Geräte dem P10 einen Schritt voraus. Davon abgesehen gibt es über Design und Verarbeitung aber nichts Negatives zu berichten, Huawei liefert die gewohnt hochwertige Qualität. Die Gestaltung betreffende Fragen sind natürlich immer subjektiv zu bewerten, allgemein lässt sich aber guten Gewissens behaupten, dass das P10 zeitlos schick ist und durchaus auch gehobenen Ansprüchen genügt.

Außen hui, innen auch?

Für die meisten Käufer, die sich für das P10 entscheiden, dürften aber ohnehin die inneren Werte von größerer Bedeutung sein. Als Antriebseinheit fungiert der Kirin 960, den Huawei selbst fertigt. Der Prozessor muss sich nicht vor dem Mitbewerb verstecken, er agiert in etwa auf Höhe der neueren Snapdragon-Modelle, wenngleich die Benchmarks nicht ganz so hoch ausfallen wie beim Snapdragon 835. Im Alltag sind diese leichten Verluste im Benchmark-Ranking allerdings nicht festzustellen, das ist ohnehin Kritik auf sehr hohem Niveau. Die Taktung: Vier Kerne mit 2,4 GHz, die vier weiteren mit 1,8 GHz. Zur Seite stehen der CPU 4 GB RAM, was ebenfalls dem derzeitigen Standard entspricht. Alles tadellos umgesetzt also.

Bei FullHD ist schluss!

32 bzw. 64 GB Festspeicher sind ebenfalls okay, vor allem auch, weil sich der Speicher ohnehin noch mittels microSD-Speicherkarten manuell erweitern lässt. Sämtliche Inhalte werden auf einem 5,1 Zoll in der Diagonale messenden IPS LCD-Display angezeigt. Die Auflösung liegt bei 1920 x 1080 Pixeln, also Full HD. Da gibt es selbstverständlich Luft nach oben, viele Flaggschiffe anderer Hersteller bieten bereits WQHD oder gar 4K-Displays. Aber: Aufgrund der doch konservativ gewählten Diagonale des Panels ist die Pixeldichte mit 432 ppi immer noch ausreichend hoch. Heißt: Die Inhalte werden knackig scharf dargestellt, mit freiem Auge sind kaum Unschärfen festzustellen. Einzig bei VR-Inhalten oder der Nutzung des P10 mit einer VR-Brille könnte die Auflösung zu wenig sein.

Kamera & Extras

Die Dual-Kamera, die in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt wurde, überzeugt.

Dual ist Trumpf! Wie schon beim Vorgänger spendiert Huawei auch dem P10 eine Dual-Kamera, der deutsche Kulthersteller Leica war abermals an der Entwicklung beteiligt. Eine Linse schießt Fotos mit satten 20 MP, allerdings nur in Schwarz/Weiß, die andere Linse mit 12 MP ist für die Farbgebung verantwortlich – etwas vereinfacht ausgedrückt. Die Knipse ist vom Huawei Mate 9 bekannt, das dafür ebenfalls bereits Bestnoten bekam. Ähnlich verhält es sich mit der Kamera des P10: Die Aufnahmen sind detailreich, dank OIS bestechend scharf und auch bei weniger Licht noch mehr als brauchbar. Mit dem Pro-Modus haben Enthusiasten darüber hinaus die Möglichkeit, zahlreiche Einstellungen vorzunehmen. Für Selfies ist eine 8 MP-Knipse verbaut.

Der Akku bietet eine Nennkapazität von 3.200 mAh. Das ist (auch angesichts des kompakten Displays) ausreichend, das P10 kommt recht problemlos über den Tag. NFC, WLAN ac, Bluetooth 4.2, USB Typ C und eine Fast Charging-Funktion sind natürlich ebenfalls an Bord.

Fazit

Mag sein, das der Ausdruck abgedroschen ist, aber Huawei liefert hier wirklich ein starkes Gesamtpaket ab. Auch Freunde kleinerer Geräte werden mit dem P10 glücklich, wer es gerne größer hat, kann ja auf das fast baugleiche Mate 9 zurückgreifen. Kamera und Innenleben gefallen, der Akku könnte etwas größer sein (aber das kann er ja immer). Ansonsten gibt es nicht viel zu meckern.

Display

Leistung

Akku

Design

Verarbeitung

Haptik

Kamera

Ausstattung

Gesamtbewertung

Benchmarks

GeekBench (Single-Core): 1910

GeekBench (Multi-Core): 6218

GFXBench: 3340

Akkulaufzeit: 8:56