Wie hebt man sich von den Mitbewerbern ab? Metallkörper? Zusätzliche Kameras? Schnellere Prozessoren? Alles bereits ein alter Hut, wirkliche Innovationen waren in den letzten Monaten am Smartphone-Markt Mangelware. Rechtzeitig zu Jahresbeginn zeigte allerdings LG, dass es durchaus noch Potenzial gibt. Das LG G5 kommt mit austauschbaren Modulen, das Gerät lässt sich damit gewissermaßen individualisieren. Wir haben uns angesehen, ob das Konzept erfüllt, was LG vollmundig versprochen hat.

Nicht nur für bastler

LG G5: Weg vom Einheitsbrei

Während Samsung auch mit der Galaxy S7-Serie auf altbekannte Stärken setzte, Huawei weiterhin auf die bewährten Konzepte setzt und Hersteller wie HTC gar nicht so recht wissen, wie man weiterhin eine wichtige Rolle am Markt spielen soll, entschied man sich bei LG gewissermaßen für eine Tabula rasa. Will heißen: Ein neues Konzept musste her, was angesichts des doch beachtlichen Erfolg des LG G4 nicht nur die Fachpresse etwas verwundert zurückließ. Beim südkoreanischen Hersteller selbst zeigte man sich vom neuen Zugang überzeugt, im Rahmen einer opulenten Vorstellung wurde das Gerät nebst der Module und einigen anderen Gadgets der Weltöffentlichkeit präsentiert.

LG G5: Zauberhafte Freunde

Was aber ist denn nun so besonders am LG G5? Grundsätzlich einmal die wechselbare Unterseite, „Magic Slot“ nennt LG das. Werkseitig steckt der Akku im Slot, ohne zusätzliche Extras. Zu kaufen gibt es momentan eine Kamera zur Erweiterung und ein Modul mit einem verbesserten Lautsprecher, genannte „LG Friends“ – darauf gehen wir etwas später noch ein. Was sofort auffällt, ist der leichte Spalt unterhalb des Displays. Der Akkudeckel und der Rest vom Gerät schließen nicht zu einhundert Prozent bündig ab, das LG G5 wirkt dadurch leicht billig. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Materialwahl: Das Flaggschiff der Südkoreaner ist zwar aus Metall gefertigt und dementsprechend robust, der Korpus ist allerdings mit einer Legierung aus Kunststoff und Metallteilchen überzogen. Im direkten Vergleich mit der Hautevolee am Markt kann das nicht gänzlich überzeugen, dass LG G5 wirkt doch eine Spur weniger wertig als die preislich vergleichbaren Konkurrenten. Das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau, gerade aber, weil das LG G4 mit der Lederrückseite derart gut ankam, verwundert dieser Schritt dann doch ein wenig.

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Leder war edler

Abgesehen davon passt aber alles: Die Lautstärkewippe ist wieder auf die Seite gewichen, der Powerbutton bleibt aber rückseitig platziert und dient gleichzeitig als Fingerprintsensor. Der funktioniert tadellos, erkennt den Finger rasch und kommt auch mit nicht ganz sauberen oder trockenen Händen klar. Auf der linken Seite befinden sich keine Tasten, hier hat lediglich der Slot für SIM- und microSD-Karte Platz gefunden. Freunde von wechselbaren Akkus und Möglichkeiten zur Speichererweiterung dürfen sich also freuen, LG sticht quasi in die Lücke, die Samsung aufgegeben hat.

LG G5: Power unter der Haube

Speichererweiterung und wechselbarer Akku: Mut zu alten Must-Haves

Das macht durchaus Sinn, wenngleich sich das LG G5 auch in leistungstechnischer Hinsicht nicht vor den Platzhirschen von Samsung und Co. verstecken muss. Unter der Haube werkelt ein Snapdragon 820 aus dem Hause Qualcomm, neben dem Exynos von Samsung ist dierser momentan die Referenz am Markt. Die vier Kerne sind mit bis zu 2,15 GHz getaktet, satte 4 GB RAM runden die hervorragende Antriebseinheit ab. Auch im subjektiven Test lässt die Performance keine Wünsche offen: Apps starten in Sekundenbruchteilen, grafikintensive Spiele laden ohne Verzögerung, das Betriebssystem arbeitet so flüssig und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Der hervorragende GeekBench 4-Benchmark-Testwert von 4.023 Punkten unterstreicht das subjektive Erlebnis.

LG G5: Tadelloses Display

Auch beim Display gibt es keinen Anlass zur Beschwerde: 5,3 Zoll misst das WQHD-Panel in der Diagonale, LG besetzt damit irgendwo den Bereich zwischen Smartphone und Phablet. Fans großer Geräte könnten sich damit ebenso noch arrangieren wie Interessenten mit etwas kleiner bemessenen Händen – das LG G5 liegt so oder so einwandfrei in der Hand. Mit 2560 x 1440 Pixeln erreicht man eine Pixeldichte von 554 ppi, die Darstellung ist demnach gestochen scharf. Ein kleinerer Kritikpunkt des IPS-Panels: Die Helligkeit ist eher mittelmäßig, da sind andere Geräte deutlich heller. Vor allem im Sommer kann das schnell lästig werden.

LG G5: Drei Kameras

Ein diffiziles Thema: LG verbaut zwei Linsen im G5. Die 16 MP-Knipse soll herkömmliche Fotos liefern, was auch gelingt. Im Vergleich zum LG G4, das bekanntlich eine hervorragende Kamera an Bord hatte, muss sich die Knipse des LG G5 nicht verstecken, das hohe Niveau konnte beibehalten werden. Die zweite rückseitig angebrachte Kamera mit 8 MP-Auflösung und 135 Grad-Weitwinkel ist indes etwas schwächer ausgefallen. Zwar lässt vor allem der extreme Bildwinkel coole Experimente zu, die Aufnahmen stehen denen der 16 MP-Linse dann aber doch deutlich nach. Die gute Nachricht: Je nach Situation wählt der Nutzer, welche Kamera zum Einsatz kommen soll. Dementsprechend sollte die 8 MP-Knipse eher als Extra betrachtet werden. Die Frontkamera ist in Ordnung, für Selfies und Videochats auf jeden Fall ausreichend.

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LG G5: Und sonst?

Der Akku ist in Ordnung, vor allem durch die zusätzlichen Stromquellen in den diversen Modulen lässt sich die Laufzeit ordentlich verlängern. Auch mit dem Standardakku sollte ein geschäftiger Arbeitstag aber problemlos zu überstehen sein. Geladen wird der Akku übrigens mit einem USB Typ C-Kabel, LG setzt hier also bereits auf den neuen Standard. Dank QuickCharge vergeht auch nicht zu viel Zeit am Kabel.

Die Soundqualität bewegt sich ebenfalls in gewohnten Sphären, dank des Bang & Olufsen PLAY-Moduls fungiert das LG G5 auf Wunsch aber auch als Ghettoblaster – zumindest, wenn man sich nicht zu viel erwartet. Insgesamt wird die Tonqualität durch das externe Modul aber doch deutlich besser.

LG G5-Test: Fazit

Anspruch und Wirklichkeit – seit jeher ein diskutables Thema, vor allem am Smartphone-Markt. Das LG G5 wurde im Vorfeld mit Spannung erwartet, einfach, weil das modulare Konzept Abwechslung versprach. Die Umsetzung stimmt im Großen und Ganzen, hätte aber durchaus etwas hochwertiger ausfallen dürfen. Die Performance stimmt auf jeden Fall, LG muss sich hier keineswegs vor dem Galaxy S7 oder dem HTC 10 verstecken. Die Entwicklung bleibt auf jeden Fall spannend: Das Konzept hat zahlreiche Vorteile, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Bleibt abzuwarten, ob LG oder Dritthändler noch weitere Module auf den Markt bringen und wie sich der Preis des LG G5 entwickelt. Wer zuschlägt, darf sich aber auf jeden Fall auf ein interessantes Gerät mit coolen Erweiterungsmöglichkeiten freuen.

Display

Leistung

Akku

Design

Verarbeitung

Haptik

Kamera

Ausstattung

Gesamtbewertung

Benchmarks

GeekBench (Single-Core): 1742

GeekBench (Multi-Core): 4023

GFXBench: 4127

Akkulaufzeit: 8:11

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